Leistenbruch
Sonstige
ambulant operable Krankheitsbilder


Leistenbruch (Leistenhernie, Hernia inguinalis; engl: inguinal hernia)

„Plötzlich habe ich in der Leiste so eine Schwellung bemerkt!“ Mit diesen Worten hat sich schon so manch einer beim Arzt vorgestellt. Dieser hat ihm dann erklärt, er habe wohl einen Leistenbruch!

Was ist ein Leistenbruch?

Die Bauchdecke des Menschen zeigt eine recht komplizierte Struktur, insbesondere in der Leiste laufen mehrschichtige Muskelplatten über- und ineinander, um Rumpf und Becken beweglich miteinander zu verbinden. Darüberhinaus treten beim Mann die Samenstranggebilde, bei der Frau das sogenannte runde Mutterband und bei beiden Geschlechtern Blutgefäße durch diese Schichten und benötigen dafür einen „Durchlaß“. Dieser Kanal (Leistenkanal) stellt somit eine gewisse Schwachstelle im Gefüge dar. Bei den meisten Menschen verschließt er sich kurz nach der Geburt, bei einigen jedoch bleibt er offen und läßt mehr als nur die oben genannten Gebilde aus dem Bauchraum nach außen hindurch: zum Beispiel Darm, Harnblase, meistens aber Fettgewebe.

Diese Aufweitung in der Leiste, die sich vor allem bei Erhöhung des Drucks im Bauchraum beispielsweise im Stehen bemerkbar macht, nennt man nun „Leistenbruch“ – wenngleich die Erkrankung mit einem Unfall nichts zu tun hat.

Wie macht sich ein Leistenbruch bemerkbar?

Die Erklärungen oben machen deutlich, dass die häufigste Erscheinungsform des Leistenbruchs eine Vorwölbung in der Leiste ist, in etwa 10% aller Fälle sogar beidseits! Diese Schwellung ist meistens schmerzfrei, kann allerdings bei körperlicher Anstrengung oder bei längerem Sitzen Missempfindungen, Druckgefühl, ja sogar Schmerzen verursachen, die gelegentlich auch bis in den Hoden oder die Schamlippen ziehen. Im Liegen verschwinden Schwellung und Schmerzen in der Regel wieder.

Wer bekommt einen Leistenbruch?

Grundsätzlich kann jeder einen Leistenbruch bekommen, Männer sind allerdings auf Grund der besonderen Verhältnisse in der Leiste mit Durchtritt des Samenstrangs besonders betroffen:Von 100 Leistenbrüchen sind etwa 80 bei Männern, 20 bei Frauen anzutreffen, bei den sogenannten Schenkelbrüchen („Sonderform“ des Leistenbruchs mit Durchtritt des Bruchs entlag der Leistenblutgefäße) ist das Verhältnis gerade umgekehrt.

Ist ein Leistenbruch gefährlich?

Die wesentlichste Gefährdung geht – insbesondere beim Schenkelbruch – von der sogenannten Brucheinklemmung aus. Dabei kommt es zur Strangulation, zum „Abschnüren“ des Bruchinhalts in der Bauchdecke, was zu heftigsten Schmerzen und schlimmstenfalls Absterben des Inhalts führen kann. Es ist dann immer eine Notfalloperation notwendig, manchmal mit Teilentfernung des Darmes und oft langwierigem Krankheitsverlauf. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ist daher besonders wichtig.

Welche Behandlungsformen gibt es?

Sobald die Diagnose Leistenbruch gestellt ist, sollte eine operative Versorgung angestrebt werden. Eine Behandlung mit sogenannten „Bruchbändern“ verzögert lediglich eine endgültige Ausheilung, kostet unnötig Geld und erschwert mitunter die später immer fällig werdende Therapie durch entzündliche Verschwielung um den Bruch und Vergrößerung des Bruches durch eine mitunter jahrzehnte dauernde OP-Verzögerung

Die Methode der Wahl ist also die Operation!

Welche Operationsmethoden gibt es?

Grundsätzlich kann ein Bruch mit Schnitt (herkömmlich, konventionell) in der Leiste oder aber mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) operiert werden. Wir bevorzugen die „Operation ohne Schnitt“ mit Bauchspiegelung, da hier neben hohem Patientenkomfort eine frühzeitiger Genesung und Wiedereingliederung in das gesellschaftliche und Arbeitsleben möglich ist. Darüberhinaus sind die Ergebnisse mit sehr niedriger Wiederauftretenswahrscheinlichkeit eines erneuten Bruchs (etwa 1%) außerordentlich gut. Bei herkömmlicher Operationsmethodik liegt die Wiederauftretenswahrscheinlichkeit bei bis zu 8%, wie die Statistik der Ärztekammer Westfalen-Lippe ergeben hat! Insbesondere beim erneuten Bruch, dem sogenannten Rezidiv, hat sich die laparoskopische Operationsmethode besonders bewährt, denn das Auftreten eines nochmaligen Bruches nach Zweit-Operation mit Schnitt ist dann mit 12% und mehr Wahrscheinlichkeit besonders ungünstig!

Wie funktioniert eine Leistenbruch-Operation mit Bauchspiegelung?

Es gibt unterschiedliche Methoden des laparoskopischen operativen Vorgehens. Allen gemeinsam aber ist das Einsetzen eines mehr oder weniger großen Kunststoffnetzes, welches den Bruch verschließt und durch innigstes Einheilen in die Bauchdecke zu einem sicheren und dauerhaften Verschluß führt. Alle auch in der öffentlichen Diskussion geäußerten Befürchtungen, diese Netze könnten selbst Krankheiten, insbesondere auch bösartige hervorrufen, sind unbegründet und bisher ohne Beleg: Das für die Netze benutzte Material (Polypropylen) findet seit über 40 Jahren Anwendung in der Chirurgie und noch kein einziger Fall einer Krebserkrankung durch das Material ist bisher bekannt geworden.

Wir favorisieren die sogenannte Laparoskopisch Kontrollierte Herniorrhaphie nach MEYER: Die Operation wird in Narkose durchgeführt, der Patient liegt auf dem Rücken. Im Bauchnabel wird über einen winzigen Stich eine Digitalkamera eingeführt. Damit können neben allen Bauchorganen auch die Leisten von innen angesehen werden. Es gelingt hier immer der sichere Nachweis (oder auch Ausschluß) eines Leisten-(oder Schenkel-) Bruches – dieses ist bei der Untersuchung vor der Operation nicht immer eindeutig möglich. Links und rechts vom Nabel kommen zwei weitere winzige (maximal 10mm große) Stiche hinzu, um Operationsintrumente in den Bauchraum zu bringen. Das Bauchfell um den Bruch wird nun von innen sehr sparsam (etwa 6-7cm) eröffnet, der Bruch selbst von Binde- und Fettgewebe befreit und sodann mit der sogenannten OLPER AHLE vernäht: dabei werden über stecknadelkopfgroße Stiche der Haut über dem Leistenbruch Nähte mit der Ahle in die Bauchdecke eingebracht und der Bruch so vernäht. Um diese Naht zu sichern und zu verhindern, dass der Bruch wiederauftritt, wird nun ein kleines, nur 7x9qcm großes Netz in den Bauchraum gebracht und an der Bauchdecke auf Höhe der Bruchnaht befestigt. Die Operation endet mit einer örtlichen Betäubung des Operationsfeldes und Verschluß des Bauchfells. Am Schluß sieht man von außen lediglich die kleinen Stiche, durch welche Kamera, Instumente und Nähte in den Bauch eingebracht worden sind.

Der Patient wird unmittelbar nach OP-Ende wieder wach, steht vom OP-Tisch auf und geht mit Unterstützung in den Aufwachraum. Die Operation dauert etwa 30 Minuten.

Ist die Operation ambulant durchführbar?

Wenn es keine wesentlichen Allgemeinerkrankungen insbesondere des Herzens und der Lunge gibt, ist nahezu jede Leistenbruchoperation, vor allem auch die oben beschriebene laparoskopische Methode ambulant durchführbar! Selbst ältere Menschen (der älteste war bisher 87 Jahre mit beidseitigem Leistenbruch!) profitieren vom ambulanten Vorgehen und genießen die Vorzüge der vertrauten häuslichen Atmosphäre im Anschluß an die Operation. Eine Gefährdung geht von der Zu-Hause-Behandlung nicht aus, da jeder Patient erst nach Hause entlassen wird, wenn er wohlauf ist und außerdem am OP-Abend von mir zu Hause besucht wird.

Wie sieht die Nachbehandlung aus?

Am OP-Tag darf der Patient sofort wieder aufstehen, essen und trinken. Die kleinen Wunden sind nach einer Woche verheilt, Arbeitsfähigkeit ist in der Regel nach zwei bis drei Wochen wieder erreicht. Eine Einschränkung der Belastbarkeit gibt es allenfalls durch Restbeschwerden in der Leiste, ansonsten kann praktisch sofort mit alltäglichen Belastungen begonnen werden.