Wohl kaum eine "Krankheit" ist so weit verbreitet und doch so wenig bekannt wie Erkrankungen der oberflächlichen Beinvenen, allgemein auch als "Krampfadern" (Varizen) bezeichnet.
Wie aber stellen sich Krampfadern dar, was steckt dahinter und was kann oder muß man gegebenenfalls dagegen unternehmen?
Dazu ein kurzer Ausflug in den Aufbau und die Funktion der Beinvenen:
Das Blut, welches über die Schlagadern (Arterien) bis zur den Füßen gelangt, wird über die Venen wieder zum Herzen zurückgebracht. Dabei fließt es durch ein tiefes, in den Muskeln gelegenes und eine oberflächliches, unter der Haut laufendes Venensystem. Krampfadern entstehen nun im letzteren, im oberflächlichen Venenabfluß. Verbindungen zum tiefen Venensystem bestehen in der Leiste, in der Kniekehle sowie über zahlreiche kleinere brückenartige Venen, die die Muskelhäute durchdringen und daher "Perforansgefäße" heißen.
Beim venengesunden Menschen verhindern segelartige Ventile, sogenannte Venenklappen in den Gefäßrohren, dass das Blut vor allem im Stehen oder Sitzen zum Fuß zurückfließt. Wenn diese Klappen nun nicht mehr richtig schließen und einen Teil des Blutes wieder zurückströmen lassen, kommt es zu einem Versacken des Blutes in den Beinvenen, die sich im Laufe der Zeit immer weiter ausdehnen, da sie dem Druck des verbleibenden Blutes nicht standhalten können! Die Folge sind dann unter der Haut sicht- und tastbare, oft knäuelartige, bis daumendicke Krampfadern.
Diese bereiten an sich zunächst keine Schmerzen im engeren Sinne, können aber zu Missempfinden, Spannungsgefühl und Schwellneigung führen. Über Jahre hinaus kann es durch den ständig erhöhten Venenblutdruck auch zu einer Schädigung der Venenumgebung und der Haut kommen. Im schlimmsten Fall bilden sich dann Hauteinrisse und Geschwüre aus, es kommt zum "offenen Bein".
Eine andere, häufig gesehene Komplikation ist die Venenentzündung. Hier kommt es zu einer Blutgerinnung in den Krampfadern, welche mit Schwellung, Schmerzen, Rötung und Überwärmung einhergeht. Nicht zu verwechseln ist dieses Bild mit der Venenthrombose, welche die tiefliegenden Beinvenen betrifft und ein schwerwiegendes Krankheitsbild sein kann mit der Gefahr einer Embolie (Ausschwemmen von Blutklumpen in die Lunge) und dauerhafter Schwellung des Beines.
Behandlung der Krampfadern
Das Ziel der
Krampfaderbehandlung ist nun, den Rückfluß des Blutes zu verbessern und
ein Versacken im Bein zu verhindern. Dies gelingt bei leichteren Formen
der Erkrankung durch Verödung (Sklerosierung) der oberflächlichen kleinen
Venen, die wegen ihres Aussehens als "Besenreiser" bezeichnet werden. Auch kleinere Nebenäste können so entfernt werden. Dabei gibt es verschiedene Methoden der Verödung: Einspritzen von Medikamenten mit winzigen Nadeln, Laserbehandlung, Elektroverödung, Kälteverödung. Einen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen besitzen diese Arten der Therapie nicht, sie unterscheiden sich vor allem im Preis der dazu notwendigen Geräte!
Sind die Venenstämme, das sind die größeren Sammelgefäße unter der Haut, betroffen, ist eine Verödung meist ohne Aussicht auf Erfolg und eine operative Behandlung kann nötig werden. Diese soll dann an der Quelle der Krampfaderentstehung einen weiteren Rückfluß von Blut ins Bein verhindern. Dazu wird (je nach Entstehung) in der Leiste und/oder der Kniekehle ein Schnitt angelegt und die hier einmündenden Venenäste des sogenannten Venensterns durchtrennt: Das Blut kann nicht mehr in die kranken Venen zurückfließen. Schließlich werden die großen Venenstämme mit speziellen Sonden der Länge nach aufgefädelt und unter der Haut herausgezogen ("Venenstripping") und damit entfernt. Liegt eine Erkrankung auch der "Perforansgefäße" vor, so werden diese ebenfalls unterbunden und durchtrennt.
Die Operation endet mit einem Wundverschluß der im allgemeinen sehr kleinen, am Bein oft nur 5mm kurzen Schnitte, die mit selbst auflösenden Fäden, die zudem unter der Haut gelegen sind, genäht werden und sehr gute kosmetische Ergebnisse hinterlassen.
Die Nachbehandlung umfasst immer eine sechs- bis achtwöchige Gummistrumpfbehandlung, um ein möglichst gutes Ergebnis zu sichern und Thrombosen, welche nach der Operation in seltenen Fällen auftreten können, zu verhindern.
Behandlung mit oder ohne Operation?
Diese Frage wird nach einer intensiven Untersuchung beantwortet und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Nach ärztlicher Untersuchung im Stehen erfolgt sodann eine Beurteilung des Beinvenen- und arteriensystems mittels Ultraschall. Durch spezielle Ultraschallgeräte (mit Duplexsonographie) können Fließeigenschaften des Blutes exakt erkannt werden. Damit kann eine Thrombose sicher ausgeschlossen und die Funktion des tiefen Beinvenensystems und der Venenklappen beurteilt werden. Damit wird diese Untersuchung zu einer wichtigen Hilfe zur Entscheidung über Operation oder konservative Behandlung. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ist hingegen fast immer entbehrlich!
Ambulante oder stationäre operative Therapie?
Wenn nicht nennenswerte Einschränkungen der Gesundheit vorliegen, z.B. schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Einschränkung der Lungenfunktion, ist in den meisten Fällen eine ambulante Operation möglich. Der Zeitaufwand für die Operation liegt zwischen 30 und 60 Minuten. Der Patient ist unmittelbar nach OP-Ende wieder wach und nach etwa einer weiteren Stunde in der Lage, die Praxis in Begleitung wieder nach Hause zu verlassen. Noch am OP-Tag beginnt die Nachbehandlung mit reichlich Laufen und Bewegung sowie kurzfristiger Gabe einer Spritze gegen Thrombosebildung, die der Patient schließlich selbst verabreichen kann.
Arbeitsfähigkeit ist in der Regel bei unkompliziertem Verlauf nach 10 bis 14 Tagen wieder erreicht!